mayer­schober

Städtebauliche Wettbewerb Mayer Mühle/ St. Pölten, 1. Preis

Seit der Erhebung von St.Pölten zur Landeshauptstadt von Niederösterreich wurden zahlreiche öffentliche Gebäude im Bereich des Kulturbezirks und des Regierungsviertels errichtet. Wie bei fast allen Agglomerationen dieser Größenordnung stehen altes und neues Zentrum zunächst nebeneinander, beinahe wie Konkurrenten, die um die Gunst der Bewohner und Stadtbenutzer buhlen. Entscheidend für die weitere Stadtentwicklung ist es, die Kommunikation zwischen den beiden Kernen zu entfachen, die Verbindungsadern zu beleben und bestehende Lücken zu schließen, so dass beide Zentren davon profitieren können.
An so einer Schnittstelle zwischen altem und neuem Zentrum liegt das aus zwei Teilen, dem so genannten Schober-Areal und dem Bereich der ehemaligen Mayer-Mühle, bestehende Wettbewerbsgebiet. Es ist von Nutzungs- und Bebauungsformen unterschiedlichster Art und Dichte umgeben:
In der Altstadt innerhalb des Rings und deren erweitertem Umgriff verbinden verwinkelte Gassen die wichtigsten „Topadressen“ der Stadt – Dom, Rathaus, Rathausplatz, Bahnhof, usw. Der Charakter der Straßenräume reicht von der städtischen Flaniermeile bis zur ruhigen Wohnstraße. Als solche stößt die Altstadt in Gestalt der Lederergasse an das Mayer- Mühlen-Areal und endet am Werksbach bzw. am Schulring.
Südlich und westlich des ehemaligen Schobergrundstücks befindet sich das durchgrünte Schulviertel. Geprägt von frei in Grünzonen situierten Solitärgebäuden reicht diese Zone über den Hammerpark bis in das Augebiet an der Traisen.
Der Kulturbezirk und das Regierungsviertel werden von sehr markanten Einzelobjekten bestimmt, wie sie in Größe und Gestalt in der restlichen Stadt nicht zu finden sind.
Zwischen diesen Stadträumen liegt das Wettbewerbsgebiet rund um die Kreuzung Schulring – Niederösterreich Ring.

Konzept: Wir verstehen Stadt nicht als Aneinanderreihung von besserer oder schlechterer Architektur, sondern als ein Ineinandergreifen von lebenswerten Stadträumen. Nur durch Mischung von Nutzungen wie Wohnen, Arbeiten, Freizeit, Kultur entstehen Bewegung und Frequenzen, entwickelt sich Leben nicht nur zu gewissen Stunden, sondern beinahe rund um die Uhr . Städtebau beschränkt sich somit nicht auf das Gestalten von Raum, also das Definieren von Baukörpern und deren Zwischenräumen. Mindestens Gleichbedeutend mit der Formulierung von Raum ist die Definition der Nutzungsstruktur.
Das vorliegende Projekt versteht sich als Auftakt und nicht als Abschluss einer Entwicklung für diesen Stadtraum. Beide vorgeschlagenen Strukturen stellen sich nicht in den Blick, sondern rahmen ihn, wobei keine Torsituationen geschaffen werden, sondern versucht wird, mit der neuen Bebauung, die Stadtteile miteinander zu “vernähen”.

Schober-Areal: Hier schlagen wir keine monofunktionalen Büroflächen vor, das hieße nur: weiterhin in der Früh ins Büro und am Abend nach Hause, dazwischen Stille und Leere. So funktioniert Stadt nicht. Wir setzen dagegen die Überlagerung der Büroflächen mit hochqualitativen Wohnflächen, die im Wettkampf gegen das freistehende Einfamilienhaus am Stadtrand bestehen können.
Die entwickelte Gebäudestruktur ist als Solitär konzipiert, der sich zum weitläufigen Kreuzungsbereich hin behauptet und zum Park hin abflacht. Er bildet den Startpunkt für die Attraktivierung des Aaltona- und Hammer-Parks. Zur Straßenseite hin werden ausschließlich Nicht-Wohnnutzungen situiert. Darauf schiebt sich eine terrassierte Schicht von hochwertigen Wohnungen. Der Baukörper wird im Bereich des Parks zurückgezogen, um die Wohnungen weg vom Lärm hin zu Aussicht und Sonne zu orientieren. Dem Standort angemessen erscheint es wünschenswert, wenn die derzeit vorgesehene Büronutzung in den unteren Geschossen noch durch öffentlichere Nutzungen ergänzt oder ersetzt werden könnte.

Mayer-Mühle: Am Mayer-Mühle-Areal werden die bestehenden Gebäude abgebrochen. Die neue Struktur deckt die Feuermauer des Gebäudes über den Werksbach ab. In den Geschoßen darüber rückt sie von dieser Bebauung zurück, um nicht selbst eine Feuermauer zu erzeugen. Das Gebäude endet in der Flucht der östlichen Häuserfront der Lederergasse und lässt somit den Blick zum Kulturbezirk frei. Die Büronutzung wird durch Wohnungen im Dachgeschoss ergänzt.

Auftraggeber: NÖ Landeshauptstadt Planungsgesellschaft m.b.H., St.Pölten
Raumprogramm: 8.002 m² BGF auf dem Schober-Areal, 3.731 m² BGF auf dem Mayer-Mühle-Areal
Adresse: Zugang Regierungsviertel / Lederergasse, 3100 St.Pölten
Mitarbeiter: Casper G. Zehner, Almut Fuhr
Verkehrsplanung: Trafico / DI Andreas Käfer
Planungszeit: März – April 2007