heustadel

Bauträgerauswahlverfahren "Neue Siedlerbewegung"

Situation: Die gültige Flächenwidmung für das Bearbeitungsgebiet sieht vor, dass an der Lobaustraße Wohnhäuser in der Bauklasse I und im restlichen Bereich Gartensiedlungshäuser auf Baulosen errichtet werden. An der südlichen und an der westlichen Grenze sollen großzügige öffentliche Grünräume entstehen.
Gartensiedlungsgebiet Übergeordnetes Ziel unseres Entwurfs ist die Schaffung eines attraktiven öffentlichen Raums, der sich nicht über die Radien von Auto-Umkehrplätzen und dergleichen definiert, sondern in dem die verschiedenen Formen städtischen Lebens auf angemessene Weise Platz finden und sich überlagern können. So sehen wir als Haupterschließung einen öffentlichen Raum vor, der in vergleichbaren Siedlungen meist fehlt oder ungenügend mit Funktionen und Programmen aufgeladen wird. Dieses kammartig strukturierte öffentliche Rückgrat der Siedlung, das wir „Lange Mitte“ nennen, verläuft in Nord-Süd-Richtung und bietet Raum für unterschiedliche Nutzungen, wie zum Beispiel Spielen, Kommunizieren, Bewegen, Leben und “Garteln”.
Wir orientieren beinahe alle Infrastruktureinrichtungen des Gebietes, wie das Gemeinschaftshaus, den Hartplatz, einen Schachspielplatz, den Bereich für langsamen Autoverkehr, Plauschecken, und vieles mehr, hin zum öffentlichen Raum der “Langen Mitte” und schaffen so für die 250-köpfige Gemeinschaft einen belebten, funktional vielschichtigen Raum. Ähnlich wie in einem großen Wohnraum sind hier Möbel, Spielgeräte und Pflanzen räumlich nebeneinader angeordnet. Die fuß- und radläufige Erschließung und nicht zuletzt die Zufahrt mit dem eigenen PKW erfolgen ebenfalls über diesen Freiraum. Durch die überlegte Anordnung der Elemente und die soziale Kontrolle innerhalb des Quartiers wird dieser Funktionsmix möglich.
Von der durch Staudenbepflanzung geprägten “Langen Mitte” aus werden alle Einzelhäuser erschlossen. Sie bilden einerseits mit ihren Gartenmauern und Hausfassaden städtische, harte Grenzen und andererseits mit den Gartenhecken ländliche, weiche Kanten. Mit diesen Abgrenzungen werden der gemeinschaftliche, öffentliche Raum und die privaten Grünräume definiert und strukturiert. Die durch Gartenmauern, Hausfassaden und Gartenhecken begrenzten privaten Grünräume sind als geschützte Erweiterungen der Wohnräume gedacht. Die Häuser sind zur Sonne hin orientiert und auf den Grundstücken leicht versetzt zueinander angeordnet, um den Charakter einer Reihenhaussiedlung zu vermeiden. So entsteht ein Teppich aus Einzelhäusern, der allen Bewohnern höchste Wohnqualität bietet.
Parallel zur „Langen Mitte” als „Hardscape” liegt, lose verwoben mit den privaten Hausgärten, die als „Softscape“ ausgebildete Zone der halböffentlichen Grünflächen. Dies sind ein Kleinkinderspielplatz und eine im Winter zum Rodeln dienende Rampe. Die Differenzierung zwischen halböffentlich und privat erfolgt über Heckenparavents und eine räumlich sturkturierte Leitgehölzbepflanzung.

Geschoßwohnbau: Die Bebauung entlang der Lobaugasse bilden drei so genannte Wohnziegel. Sie liegen in einem grünen Vegetationsband, in das die privaten Eigengärten der Erdgeschoßzonen hineinwachsen. Der Zugang zu den Erdgeschoßwohnungen erfolgt auf Straßenniveau über Vorgärten, die zweigeschoßigen Maisonetten des nördlichen Wohnziegels werden im ersten Obergeschoß über eine Geländeanschüttung und einen Mittelgang erschlossen. In den beiden anderen Wohnziegeln werden Geschoßwohnungen angeboten.

Basishaus: Das Basismodell der Siedlung ist ein nicht unterkellertes Haus mit zwei Geschoßen. Im Erdgeschoß befinden sich neben dem Eingangsbereich mit WC und Abstellraum der Koch- und Wohnbereich, ein externes Lager, ein gedeckter Stellplatz und eine gedeckte Terrasse. Im Obergeschoß sind zwei Individualzimmer und die Sanitäreinheit angeordnet. Die Tragkonstruktion ist für eine Aufstockung (siehe rechts) ausgelegt.
Haus Typ 119 m² Das Basismodell kann um ein Dachgeschoß mit einem großen Zimmer und einer kleinen Sanitäreinheit auf 119 m² erweitert werden.
Haus Typ 130 m² Bei Bedarf kann ein weiteres Zimmer dazugebaut und die Nutzfläche auf 130 m² erhöht werden.

Auftraggeber: ARWAG Bauträger GmbH, 1030 Wien
Raumprogramm: 32 Einzelhäuser mit 3.700 m², 3 Wohnhäuser mit 36 Wohnungen auf 3.000 m², 41 Stellplätze in einer Tiefgarage und 27 gedeckte Stellplätze
Adresse: Heustadelgasse / Lobaustraße, 1220 Wien
Mitarbeiter: Benjamin Konrad
Landschaftsplanung: 3:0 Landschaftsarchitektur
Planungszeitraum: Jänner 2006