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Wohn- und Geschäftshaus mit Schlosserei in St. Pölten

Die Firma Hager führt einen Schlosser- und Installateurbetrieb in der Kremser Landstraße 23 in St.Pölten. Anlass für dieses Projekt war die Frage nach einem über die betriebliche Nutzung hinausgehenden Potenzial des firmeneigenen Grundstücks. Am Anfang stand eine Untersuchung der städtebaulichen Situation.

Hauptstadt St.Pölten: Als 1986 St. Pölten zur Hauptstadt Niederösterreichs wurde, erhielt der Nährboden für urbane Hoffnungen reichlich Nachschub. Durch den Bau des Regierungsviertels und des Kulturbezirks konnte das materielle und symbolische Kapital der Stadt deutlich erhöht werden.
Aber nicht alle Hoffnungen, die mit der Hauptstadtwerdung einhergingen, haben sich erfüllt. Das Leitbild der „kompakten Stadt“ wurde durch die Entwicklungen in der nördlichen und südlichen Peripherie unterlaufen. Geht man heute durch St. Pölten, überwiegt über weite Strecken das Niedrige, Kleine, Dreigeschossige, Lockere und Brüchige.
Während in anderen Städten oft ein Fluss zur Ausbildung einer Kleinseite geführt hat, ist es in St.Pölten die Bahn, die einen vergleichbaren Schnitt im Bild der Stadt und ihrer Materialität erzeugt. Im Süden liegt die Altstadt, kompakt und herausgeputzt, mit Geschäftsviertel und Flaniermeile und mit Anschluss an Regierungsviertel und Kulturbezirk. Und dann, nördlich der Bahn, scheint St. Pölten erst gar nicht so richtig zu beginnen.

Städtebaulicher Kontext: Die Liegenschaft der Fa. Hager liegt in einem für den nördlich der Bahntrasse gelegenen Teil der Stadt typischen Quartier, charakterisiert von heterogener Bebauung, relativ vielen unverbauten Baulücken, durchgrünten Innenhöfen oder überwiegend als Parkplatz genutzten Grundstücken.
Das Grundstück ist ein von West nach Ost reichender Streifen in einem von vier Straßen eingefassten, annähernd quadratischen Areal. Im südseitig angrenzenden Bereich liegen, in einen großzügigen grünen Innenhof gebettet, drei Wohnriegel. Der nördliche Teil des Quadrats präsentiert sich heterogen. Ein großer Teil wird als Parkplatz und für Einzelhandelsflächen genutzt und bietet Möglichkeiten zur Nachverdichtung. Nicht zuletzt durch die Ansiedlung einer Fachhochschule, das neue Gesundheitszentrum der niederösterreichischen Gebietskrankenkasse und den geplanten Umbau des Hauptbahnhofs besteht hohes Entwicklungspotenzial.

Bestandsanalyse: Die bestehenden Objekte der Firma Hager gliedern sich in zwei Bereiche, die sich sowohl in der Nutzung als auch im baulichen Zustand unterscheiden. Das zweigeschoßige Objekt an der Kremser Landstraße entspricht aufgrund der baulichen Substanz nicht den zeitgemäßen Anforderungen. Lediglich Teilbereiche werden als Büro- bzw. Ausstellungsbereich genutzt.
Das zweite Objekt, die Stahlbetonhalle im Mittelteil des Grundstücks, dient als Werkstätte. Sie ist 7 m hoch, in gutem baulichen Zustand und erfüllt die Anforderungen eines Handwerksbetriebes. Die Anlieferung zur Werkstätte erfolgt über einen Manipulationhof an der Kerensstraße. Hier befinden sich auch die Stellplätze für Lieferanten und Mitarbeiter.

Die derzeitigen Defizite sind vielschichtig: keinerlei zeitgemäße Arbeitsräume, fehlende Kundenparkplätze, keine fußläufigen Verbindung zwischen Anlieferung (Kerensstraße) und Annahmebüro (Kremser Landstraße), ungünstiges Erscheinungsbild nach Außen.

Schlosserei und mehr: Wir schlagen ein verdichtetes, urbanes Projekt vor, das nicht nur der Firma Hager eine signifikante Aufwertung ihrer symbolischen Präsenz ermöglicht, sondern auch das städtische Umfeld und dessen Entwicklungspotenzial nutzt und positiv beeinflusst.
Der konkrete Entwurf für die Schlosserei entwickelt sich entlang von drei Entscheidungssträngen, die sich gegenseitig beeinflussen:
1. Inhaltliches Entwicklungkonzept;
2. Städtebauliche Potentiale und Entwicklungsschritte der Umgebung;
3. Architektonische Aufwertung des Bestandes.
Durch Verdichtung, Neubebauung und attraktive Architektur werden Büros, Ateliers und Kleinwerkstätten für junge Menschen aus dem Umfeld der Fachhochschule auf der Liegenschaft bereitgestellt. Die neue Büroimmobilie mit Schlosserei mittendrin verfolgt damit ein nachhaltiges, konzentriertes Marketing- und Unternehmenskonzept, das sich nicht an einem Tag erschöpft, sondern täglich gelebt wird und in der Lage ist, entscheidend nachzulegen. Durch die spezifische ökonomische Konstruktion der Immobilie, ihr innovatives Programm und die daraus entstehenden Synergien scheint eine Subvention der Mietpreise als wesentlicher Standortvorteil möglich.

Architektur: Die Gebäudestruktur der Schlosserei ist darauf ausgelegt, möglichst große Flexibilität und Offenheit zu gewährleisten. Im Entwurf wurde vor allem auf Teilbarkeit, Möglichkeiten der Durchwegung und das Erscheinungsbild nach außen wert gelegt. Vertikal erschlossen wird das neue Gebäude durch zwei Stiegenhäuser an der Nordseite der bestehenden Halle, die in den Obergeschossen durch offene Laubengänge miteinander verbunden sind.
An der südlichen Grundstücksgrenze werden den Nutzflächen Freibereiche vorgelagert. Die beidseitige Verglasung ist jeweils um mindest zwei Meter zurückversetzt, so kann sie auch ohne Brandschutzqualifikation gegen die Grundstücksgrenze gerichtet sein. Die rechtlich erforderliche Belichtung wird ausschließlich über die eingeschnittenen Lichthöfe bewerkstelligt. Dadurch entstehen nicht nur großzügige, preiswerte und leicht teilbare Einheiten, sondern es wird auch ein Baukörper geschaffen, der sich offen gegenüber den Nachbarn zeigt.

Auftraggeber: Hager Metall GmbH, 3100 St. Pölten
Raumprogramm: Büronutzfläche 3947 m², Werkstattnutzfläche 1237 m², Wohnnutzfläche 810 m². 91 Stellplätze
Adresse: Kremser Landstraße 32, 3100 St. Pölten
Mitarbeiter/innen: Casper G. Zehner, Isabelle Hoepfner, Almut Fuhr, Antje Ott, Morten Loes
Konsulent: Manfred Schenekl
Verkehrsplanung: Zieritz & Partner ZT GmbH
Statik: Werkraum Wien
Bauphysik: DI Erich Röhrer
Brandschutz: Michael Pulker
Haustechnik: TB ZFG-Projekt GmbH
Planungszeit: Oktober 2005 – Oktober 2007