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Städtebaulicher Wettbewerb Kabelwerk, 2.Preis

PROJEKT STADT: Die Stadt muß als Projekt reaktiviert werden, welches in der Lage ist, das Gesellschaftliche innerhalb einer globalen Weltwirtschaft, welcher es genau am Gesellschaftlichen ermangelt, weiterzutreiben.
Es ist notwendig, Orte zu erzeugen, die als aktive Prozessoren innerhalb des urbanen Gewebes wirken und aus sich selbst heraus die Kraft besitzen, kulturelle, wirtschaftliche und soziale Funktionen zu übernehmen und ihre Energien in das Netz der Stadt zu speisen.

HYBRIDE STADTTEILE: Dazu sind bewegliche Strukturen mit zahlreichen innovativen Interventionen, stark gemischt, weitgehend nutzungsneutral ausgestattet und mit Bezug zu anderen mehr oder weniger weit entfernten Stadtteilen notwendig.
Solche Strukturen sind geeignet, Krisenphänomene abzufedern und kurzfristig Strategien zu entwickeln, um damit gesellschaftspolitisch positive Effekte zu erzielen.

REFLEXIVER PROZESS: Der Plan für neue städtebauliche Projekte ist nur die Schubkraft für das Projekt. Er ist als Impuls zu verstehen. Träger des Projektes allerdings ist eine Strategie der Aufmerksamkeit und der Reflexion. Daraus nährt sich wieder der Plan.
Nur in einem derart reflexiven Prozeß, welcher sich über den Zeitraum der materiellen Verfertigung hinaus erstreckt, ist es möglich, angemessen, das ist im Sinne der Stadt und der sozialen Akteure, Lebensraum zu realisieren – Arbeiten an der Stadt, hartnäckig und eigensinnig.

STANDORTPOTENTIAL
Lage, Größe und Anbindung des Areals fordern einen aktiven Stadtteil, der in einer Wechselbeziehung mit dem engeren und weiteren Umfeld steht.
Mehrere Gründe sprechen dafür, das gegenständliche städtebauliche Vorhaben nicht nur aus der Sicht einer örtlichen Fügung und eines Wundverschlusses der bestehenden Brüche im Ortsverband anzusehen.
Zunächst ist das 6 ha große Industrieareal weitgehend eine terra incognita. Eingekapselt und verpuppt, ist es als Stadtraum erst zu initialisieren und trägt, wenn man so will, eine Tat in sich. Auf Grund seiner Frische und Größe eignet es sich für eine städtebauliche Intervention, welche mehr als nur den örtlichen Bedarf deckt.
Angedockt an die U-Bahnlinie 6, einer der wenigen leistungsfähigen öffentlichen Verkehrsträger, welcher nicht einer Ausfallsstraße folgt, ist die Erreichbarkeit des Geländes nicht mit einem Maßstab auszuloten, sondern mit einem Zeitmeßgerät.
Durch diese U-Bahnlinie rücken die Bewohnerinnen und Bewohner von Wiener Flur, In der Wiesen, Perfektastraße, Alt Erlaa, Schöpfwerk und Meidlinger Hauptstraße in die unmittelbare Nachbarschaft. Man hat daher mit einem größeren “Kundenkreis” zu rechnen. Dienstleistungen im weitesten Sinne, welche unter anderen Umständen für diesen Maßstab überdimensioniert wären, verfügen hier über das notwendige urbane Publikum.
Das heißt: der neue Stadtraum soll auch eine Art destination point für die umliegende Stadtregion werden, eine Art spezialisierte (Sub-)Zentrumsfunktion übernehmen und Leistungen anbieten, welche bis jetzt von weit hergeholt werden müssen oder an ferner entlegenen Orten der Stadt erbracht werden müssen.
Das heißt weiter, daß das Projekt mit scheinbar weiter entfernten Orten kommuniziert. Es kann nur erfolgreich sein, wenn es als aktiver Stadtteil aus sich selbst heraus die Kraft besitzt, kulturelle, wirtschaftliche und soziale Funktionen zu übernehmen, um eine Wechselbeziehung mit der Stadt einzugehen.

Auslober: Stadt Wien, vertreten durch die MA 21B
Standort: Areal der Kabel und Draht AG, 1120 Wien
Raumprogramm: 750 – 950 Wohnungen, Volksschule, Kindertagesheim auf einem Areal 63.000 m² Grundstücksfläche
Planungszeitraum: 1998